Der Sinn des Lebens

Alle Lebewesen haben Bewusstsein. Sie sind sich ihrer Bewusstseinsinhalte bewusst. Der Mensch ist darüber hinaus oft in der Lage, über seine Bewusstseinsinhalte nachzu­denken und sich seiner selbst als desjenigen, der darüber nachdenkt, bewusst zu werden. Er stellt sich dann manchmal die Frage nach dem „Sinn des Lebens“.

Eine Antwort darauf zu haben gibt den Leuten Halt im Leben. Viele finden diesen Halt in ihrer Religion. Es gibt Leute, die nur deshalb die Geschehnisse eines Kriegs überstan­den haben, weil sie die Kraft dazu in ihrem Glauben fanden. Deshalb sollte man nie­mals die Religion einer Person kritisieren – solange sie nicht zu Hass oder Gewalt aufruft.

Heutzutage jedoch genügt vielen Leuten keine Religion mehr. Dann suchen sie oft nach Antworten in der Esoterik: in östlichen Religionen und Philosophien; und wenn keine Weisheiten darin zu finden wären, gäbe es sie nicht seit Tausenden von Jahren.

Der Fortschritt des Menschen jedoch ist ein Fortschritt vom Glauben zum Wissen. Des­halb wird sich der aufgeklärte Mensch irgendwann den Wissenschaften zuwenden, um Antworten auf seine Fragen über das Leben und vielleicht sogar seine zentrale Frage nach dessen Sinn zu erhalten - und er wird die Erfahrung machen, im Regen stehen gelassen zu werden.

Wissenschaftler wissen heute viel über Fettsäuren und wie sie sich zu Zellwänden zusammenschließen; aber sie wissen nicht, was diese Zellen lebendig macht. Sie bekommen Nobel-Preise für die Erforschung von Eiweißmolekülen; doch sie haben keine Ahnung, was die Zellen dazu bringt, sie zu bilden. Die Struktur der Gene ist ihnen so weit bekannt, dass sie in der Lage sind, bestimmte Gene aus pflanzlichen Chromo­somen zu entfernen und ihnen andere einzupflanzen; doch niemand weiß, was Gene eigentlich sind. Sie wollen sogar Patente für ihre Bastel-eien, ohne zu wissen, was sie eigentlich tun. Unsere modernen Wissenschaften sind materialistisch und geistlos.

Um aber die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten zu können, muss man das Leben erst einmal verstehen. Man muss zuerst verstehen, worum es eigentlich geht, bevor man sich vorstellen kann, was es für einen bedeutet.

Ein erster Schritt könnte darin bestehen, den menschlichen Körper zu studieren: heraus­zufinden, was artgerechte Menschennahrung ist, wie man einen Körper pflegt und wie man ihn bewegt, um seine Funktionsfähigkeit sicherzustellen.

Ein Verstehen des Körpers kann einem die Tür zu dem Apparat öffnen, den dieser Körper mit seinen Wahrnehmungen und Empfindungen ständig kre­iert und der all die Inhalte des menschlichen Bewusstseins erlebbar macht. Mit anderen Worten, es könnte einem auf diese Weise leichter fallen, die Existenz des menschlichen Verstands zu erkennen und sich mit ihm vertraut zu machen.

Ich erinnere mich an eine solche Erkenntnis einer Klientin. Es war ihre erste Sitzung. Ich sagte: „Schließ' die Augen! Danke! Was siehst du?“ - „Nichts“, meinte sie, „alles schwarz“; und nach ein paar Augenblicken: „Ach so!“ Und sie berichtete mir von einem Erleb­nis mit ihrem Chef. Sie erzählte, was sie sah, hörte, fühlte usw.

Der Verstand ist ein weites Feld. Doch wenn man ihn wirklich erkundet, wird man irgendwann eine Antwort auf die besagte Sinnfrage erhalten. Wahrscheinlich aber wird man auch erkennen, dass es im Grunde gar nicht darum geht ...

 

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