Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

(ein Spruch der Dakota-Indianer)

 

Menschen müssen essen und trinken, um zu überleben. Essen und trinken gehört wie atmen zu den unmittelbaren Grundlagen ihres Lebens. Doch kaum jemandem ist bewusst, dass das, was er täglich isst und trinkt, in einem unmittelbaren Zusammenhang mit seinem kör­perlichen Zustand steht, geschweige denn die meisten körperlichen Krankheiten genau daher kommen.

Die Leute essen und trinken gern. Renommierte Köche kreieren die wunder-samsten Dinge. Doch sehr vieles hat nur noch sehr wenig mit Ernährung zu tun. Natürlich wissen die Leute, dass man sich „ausgewogen“ ernähren sollte. Doch das ist nur eine Worthülse, die noch nie etwas anderes als Unwissenheit kaschiert hat. Die meisten sind nicht interessiert am Thema Ernäh­rung – selbst wenn sie wirklich  krank sind.

Vor etwa zehn Jahren berichtete mir ein Mann von seinen Verdauungsproblemen. Als „Reiz­darm“ habe sein Arzt es diagnostiziert. Ich gab ihm einen Artikel von John Symes, der genau diese Probleme trefflich behandelt und den ich gerade übersetzt hatte (und der Ausgangspunkt meiner Artikelreihe über die Ernährung war).

Als ich ihn ein Vierteljahr später wiedertraf, fragte ich ihn, ob er etwas mit dem Artikel habe anfangen können. Er überlegte eine Weile und meinte dann: „Ach, der Artikel … nee, den hab ich noch nicht gelesen.“

Vor ein paar Monaten erhielt ich eine E-Mail von ihm. Er schrieb mir, dass er seit einem halben Jahr Diabetes habe und sich täglich spritzen müsse. Außerdem habe er chroni­sche Muskelschmerzen, weshalb er nicht mehr arbeiten könne. Die Tabletten würden nicht mehr helfen usw. Ob ich ihm nicht ein paar Tipps geben könnte?

Ich empfahl ihm ein paar Textstellen meiner Artikelreihe über die Ernährung – und habe seither nichts mehr von ihm gehört.

Um diese Zeit, vor etwa zehn Jahren, hörte ich von einem alten Weggefährten aus Stu­dientagen. Man berichtete mir, dass er sehr krank sei und Darmkrebs habe. Ich setzte mich sofort mit ihm in Verbindung und schickte ihm den be-sagten Artikel von John Symes. Die Reaktion: „Na ja, ob's stimmt ...“

Seine Freunde wussten wenig Erfreuliches von ihm zu erzählen. Also erinnerte ich ihn daran, dass ich wahrscheinlich immer noch etwas für ihn tun könnte. Doch nun hatte er ernsthafte Bedenken hinsichtlich meiner Auffassung von Wissen-schaft überhaupt. Also beließ ich es dabei.

Vor ein paar Jahren erzählte mir ein Mann von den gesundheitlichen Proble­men seiner Frau. Da er wusste, dass ich mich gerade mit der Ernährung beschäftigte, bat er mich um ein paar Texte, um sie seiner Frau zum Lesen zu geben. Als ich ihn das nächste Mal traf, berichtete er mir von ihrer Reaktion: „Na ja, der schreibt halt, was alle anderen auch schreiben …“

Etwa zwei Jahre später berichtete er mir beiläufig, dass seine Frau seit einer Woche im Krankenhaus sei. Der Grund? „Sie ist in Beobachtung wegen Verdau-ungsproblemen.“ Aha!

Ein weiteres Jahr später erzählte er mir genauso beiläufig, dass seine Frau gerade auf Reha sei. Weshalb? Sie habe ein neues Kniegelenk bekommen. Und er selbst habe jetzt Hautkrebs.

Ich könnte hier noch eine ganze Reihe solcher Geschichten erzählen - Geschich­ten von Leuten, die ich irgendwann am Wegrand traf. Interessant jedoch ist nur ihr gemeinsamer Nenner. Sie folgen ihren Gewohnheiten; und die meisten ihrer Gewohnheiten stammen aus der Realität des Mainstreams: der Realität der allermeisten anderen. Und ihre Realität hinsichtlich Krankheiten ist nun einmal: Krankheiten sind Schicksal. Es kann jeden treffen. Und wenn man krank ist, gibt es dafür Medikamenten Opera­tionen, Reha, weite­re Medikamente usw. Was das mit Ernährung zu tun hat? Gar nichts!

Es ist natürlich verständlich, dass die Ernährung keine Rolle für sie spielt. „Die Leute haben doch früher auch Weizen gegessen.“ - „Milch ist doch gesund, schon wegen dem ganzen Kalzium da drin. Deshalb sollten ja auch gerade Kinder viel Milch trinken.“ - „Ich trink Wasser immer aus der Wasserleitung. Das ist doch gut!“ Das ist die übliche Realität darüber: eine Garantie dafür, krank zu werden.

Dann gibt es all diese seltsamen Diäten: vegetarische Ernährung, Paleo- (oder Stein­zeit-) Diät, kohlenhydratarme (oder Low-Carbon-) Diät) usw. Wer sollte da noch am Thema Ernährung interessiert sein?

Außerdem ist es oft schwer erträglich für eine Mutter: Da hat sie jahre- und jahrzehnte­lang ihr Bestes gegeben, um Mann und Familie zu bekochen. Und jetzt soll das alles falsch gewesen sein? Nein! Was nicht sein darf, kann nicht sein!

Doch der Fluss ist unerbittlich. Und „nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
Ferninstitut für mentale Technologie - Es gibt keinen Ersatz für verstehen.