Mentale Technologie, Definition

Das Wort Technik kommt vom grch. „technikos“, sachgerecht, fach­männisch, kunst­voll. Es ist eine Wortbildung zu „techne“, Handwerk, Wissenschaft, Kunst. Der Wahrig, Deutsches Wörterbuch definiert Technik (im weiteren Sinn) als „Kunst, mit den zweck­mäßigsten und sparsamsten Mitteln ein bestimmtes Ziel oder die beste Leistung zu erreichen“.

Das Wort Technologie ist aus „Technik“ und dem grch. „logos“, Wort oder Lehre zusammengesetzt. Technologie ist die Lehre von den (in einem bestimmten Bereich ver­wendeten) Techniken sowie deren Gesamtheit.

Das Wort mental kommt (über das gleichbed. engl. „mental“) vom lat. „men­talis“, zum Verstand ge­hörig. Es ist eine Wortbildung zu „mens“, Genitiv „mentis“, Verstand.

Der Verstand hat mit verstehen zu tun. Es ist der „Rechner“, der selbsttätig mit Wahrnehmungen und Erinnerungen arbeitet, um Situationen zu verstehen und darauf zu reagieren. Wir können ihn benutzen, um zu denken - zu Einschätzungen zu gelangen und Absichten zu entwickeln - und entsprechend zu handeln.

Mentale Technologie ist also die Lehre vom sachgerechten Umgang mit dem Verstand. Dabei handelt es sich weniger um eine originelle Wortschöpfung als um das, was ich lange und – erfreulicherweise – erfolgreich genug mache, um es zweckmäßiger­weise auch zu benennen.

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Das Menschenbild unserer Zeit besteht aus Gehirn und restlichem Körper. Der Ver­stand wird deshalb gewöhnlich als eine Art körperliche Fähigkeit betrachtet. So definiert der Duden, Deutsches Universalwörterbuch den Verstand als die „Fähig­keit zu ver­stehen, Begriffe zu bilden, Schlüsse zu ziehen, zu urteilen <und> zu denken“. Diese „Fähigkeit“ muss natürlich, wie jede andere Fähigkeit auch, einem Organ oder Organ­system zuge­schrieben werden – und so wird sie gewöhnlich dem Organ zugeschrieben, das am meisten damit zu tun hat: dem Gehirn.

Das ist natürlich Unsinn – und Ideen dieser Art haben uns in die Welt gebracht, in der wir heute leben. Ein Gehirn kann vieles. Es kann den restlichen Körper steuern. Aber es kann kein Bewusstsein hervorbringen noch mit Bewusstseins-inhalten, sprich Wahr­nehmungen und Erinnerungen, „verstehen, Begriffe bilden, Schlüsse zie­hen“ usw. Dazu ist schlicht und einfach ein zweites System notwendig.

Das war den Psychologen des letzten Jahrhunderts durchaus klar. Doch sie ließen die Frage nach diesem „zweiten System“ einfach offen und beschränkten sich auf seine Fähigkeiten. So ist die Psychologie heute definiert als „Wissenschaft vom mensch­lichen Erleben, Verhalten und Handeln“.

Es gab jedoch schon eine ganze Reihe von Bezeichnungen für dieses „zweite System“ in der Geschichte und Vorgeschichte unserer Wissenschaften. Die meisten sind in Ver­gessenheit geraten, weil sie nicht aus dem Mainstream kamen. Erhalten haben sich nur noch das griechische Psyche und die deutsche Übersetzung dafür, die Seele. Die „Seele“ ist aber mit religiösen Bedeutungen über­laden; und die Wissenschaftler der Neuzeit wollten sich ja gerade vom christlichen Dogma lösen, das den Fortschritt so lange auf­gehalten hatte. Das ist sicherlich einer der Gründe dafür, dass die Psychologie (die „Lehre von der Seele“) zu einer „Psycho­logie ohne Seele“ wurde.

Doch wir kommen ohne ein „zweites System“ nicht aus, wenn wir mehr vom Men­schen verstehen wollen als die Anatomie und Physiologie seines Körpers und dessen Krankheiten. Das mensch­liche wie auch jedes andere Lebewesen ist nun einmal ein duales System, bestehend aus Körper und – nennen wir es Seele. Es ist ein altes Wort, das jeder versteht; und es ist wahrscheinlich besser zu versuchen, allen religiösen Ballast über Bord zu werfen, als ein neues Wort dafür zu kreieren.

Der Verstand eines Lebewesens ist in Wirklichkeit ein seelisches Phänomen. Das Gehirn fungiert als „Interface“: eine zwischengeschaltete Einheit; und sie steht zwischen Kör­per und Verstand. So etwa, wenn auch etwas weniger technisch, verwendete Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) das Wort – einige Zeit vor dem Duden.

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Es ist ein natürliches Bedürfnis des Menschen, sich selbst und andere, seine Umwelt und das Leben darin zu verstehen, um gesund und glücklich sein und in Frieden mit anderen leben zu können. Der Schlüssel dazu liegt in seinem eigenen Verstand. „Erkenne dich selbst!“ stand einst auf einer Säule der Vorhalle des Apollon-Tempels zu Delphi; und genau das war wohl damit gemeint. Apollon war in der griechischen Mythologie der Gott des Lichts und der Heilung; und er forderte die Menschen zur Selbsterkenntnis auf.

Wir „benutzen“ unseren Verstand die ganze Zeit, im Wachen wie im Schlafen, jeden Augenblick unseres Lebens. Wir bemerken es nicht, weil er zum größten Teil selbsttätig arbeitet. Er läuft einfach. Wir „benutzen“ gewöhnlich nur Ergebnisse seiner Berechnun­gen, um uns z. B. in unserer Umgebung zu orientie-ren oder unsere Frau zu erkennen, wenn sie nach Hause kommt. Wir „benutzen“ ihn ein wenig mehr, wenn wir ihm Fragen für seine Berechnungen stellen: wenn wir nachdenken, z. B. um uns an etwas zu erin­nern oder eine Lösung für ein Problem zu finden. Doch auch dann werden uns die Berechnungen selbst verbor-gen bleiben, wenn wir die Idee übernommen haben, dass wir das alles mit dem Gehirn tun – in das Gehirn können wir ja nicht hineinschauen.

Doch wenn Sie einmal auf Ihren mentalen „Rechner“ schauen – sein „Bildschirm“ ist genau vor Ihrer Nase – werden Sie wahrscheinlich eine geöffnete „Datei“ vorfinden. Sie wird bei Tageslicht oder allzu heller Beleuchtung allerdings kaum zu erkennen sein – anders als in den Träumen der Nacht. Wenn Sie also einmal mit einem Traum aufwachen, schauen Sie hin, was Sie sehen. Ob Sie die Augen geschlossen halten oder nicht, wird kaum einen Unterschied machen. Das ist Ihr ganz persönlicher „Rechner“: Ihr Verstand.

Es gibt eine Unmenge von Bildern in einem Verstand, mit all den Wahrnehmungs-modi, die ein lebendiger Organismus hergibt: sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen usw. Die Bilder weisen eine Reihe von Ordnungskriterien auf. Das erste ist die Zeit. Sie macht aus all den Bildern eine Chronologie des bisherigen Lebens. Man kann Begriffe in die „Suchmaschine“ eingeben, z. B. „Onkel Sepp“, und man bekommt Bilder und Gescheh­nisse mit Onkel Sepp. Häufige Objekte, Situationen und Vorgänge sind mit Wörtern verknüpft, und man kann die Wörter verwenden, um schneller und effektiver zu denken. Es ist im Grunde ein phantastischer „Rechner“.

Der gewöhnliche „Rechner“ jedoch präsentiert einem zunächst ein ziemliches Durch­einander: Dateien fehlen, tauchen irgendwo anders wieder auf, Ordner lassen sich nicht öffnen, es gibt jede Menge an uner­wünschten Verknüpfungen, der Rechner läuft über­haupt sehr langsam usw. Mit anderen Worten, in einem Verstand findet man üblicher­weise erst einmal jede Menge an reaktivierten Erinnerungen: Frustrationen, Traumen, Verlusten, Bezie­hungsbrüchen, Proble-men, Missetaten und dergleichen mehr. Die Gescheh­nisse hängen in der Gegen­wart fest, manche Teile davon scheinen zu fehlen, andere sind mit anderen Geschehnissen verknüpft usw. Und diese Dinge müssen „nach­bearbeitet“ werden – wenn's denn was werden soll mit der Selbsterkenntnis.

Hier kommt die mentale Technologie ins Spiel. Wenn man den Müll entfernt, der sich im Laufe der Zeit in dem „Rechner“ angesammelt hat, wird er wieder ordentlich laufen. Mit anderen Worten, wenn man die Geschehnisse sachgerecht bearbeitet, die zu schmerzhaft, unangenehm oder peinlich waren, als dass die Person sie nochmals erleben wollte, wird sich ihr Leben verändern. Sie wird irgendwann ihren Verstand selbst verste­hen. Und sie wird verstehen, in welcher Beziehung er zum Körper und zum gesamten Organismus, sprich Körper und Seele, steht.

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Eine gute Erkenntnis ist eine Erkenntnis, die einen weiterführt. So wird aus Wissen Wissenschaft. Auch ein guter Weg ist ein Weg, der einen weiterführt. So kommt man in bisher unbekanntes Land. Genau das geschah auch bei der Erkundung des menschlichen Verstands; und das unbekannte Land war das geistige Wesen.

Auch dafür gab es bereits viele Bezeichnungen. Heute werden die Wörter „psy­chisch“, „seelisch“ und „geistig“ meist als Synonyme verwendet, ohne dass man weiß, wovon man eigentlich spricht. Man unterscheidet „Geisteswissenschaften“ von „Natur­wissenschaften“. Doch zu den Geisteswissenschaften werden aus-schließlich Bereiche gezählt, die sich einerseits mit dem Menschen, andererseits aber nicht mit seinem Körper beschäftigen. In unserer Wissenschaftstradition wird der Geist zumindest also als etwas spezifisch Menschliches betrachtet.

In der Tat ist das geistige Wesen immer beteiligt, wenn Menschen Dinge tun, die ihre Potentiale als – wenn auch hochentwickelte - Tiere übersteigen, z. B. eine Sprache, ein Rechtswesen oder ein Wirtschaftssystem kreieren. Es ist offen-sichtlich auch beteiligt, wenn Menschen Dinge tun, die gegen alle tierische Instinkte sind, z. B. andere quälen, Krieg führen oder den eigenen Lebensraum zerstören. Wenn Sie sich unsere Geschichte einmal von diesem Gesichtspunkt aus ansehen, werden Sie vielleicht erken­nen, dass es gelegentlich, gerade nach Zeiten bitteren Elends, eine Art gesellschaftliches geistiges Erwa­chen gab, z. B. in der Renaissance (zu Deutsch Wiedergeburt), als die ersten Demokra­tien entstanden, die Naturwissenschaften ihren Ausgang nahmen und Musik geschaffen wurde, wie es sie nie wieder auf diesem Planeten gab.

Der fortgeschrittene Teil der mentalen Technologie gilt folglich dem geistigen Wesen. Es geht zunächst darum, das Wesen seine Fixierungen auf all die Rollen erkennen zu lassen, die es in seinem menschlichen Dasein übernommen hat. Dahinter werden sich die „Spiele“ zeigen, die die Menschen spielen und die ihre Leben bestimmen. Und früher oder später wird das Wesen seine eigenen Ziele und Absichten finden, mit denen es beschäftigt war, bevor es sich auf das Menschsein einließ. Das Ziel ist die vollständige Wiederherstellung seiner Wahl-freiheit, seiner Fähigkeiten und seines Bewusstseins.

Mentale Technologie, wie ich sie ver­stehe, ist deshalb ein geistiger Weg. Sie beruht auf unseren Wissenschaften und sachgerechten Erweiterungen ihrer Me­thodik. Ihr Ziel jedoch liegt jen­seits des wissen­schaftlichen Horizonts.

Das ist es, wohin mich die Weisung geführt hat: „Erkenne dich selbst!“ Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass ich meine Technologie nicht als meine persönliche Errungenschaft betrachte – und der fortgeschrittene Teil auch nicht von mir stammt. Verstehen ist eine soziale Angelegenheit. Kinder lernen von ihren Eltern und Lehrern; Wissen­schaftler bauen auf den Er-kenntnissen ihrer Vorgänger auf. Deshalb hier eine Liste von Leuten, die wichtig für mich waren und sind. Ich habe nicht alles gelesen, was sie geschrieben haben oder was von ihnen überliefert ist; ich stimme sicherlich auch nicht mit allem überein, was sie zu sagen hatten. Manchmal ist es nur eine einzige ihrer Erkennt­nisse, die mir weitergeholfen hat; manchmal habe ich aus Fehlern gelernt. Doch ich habe allen etwas zu verdanken – und Sie möglicherweise auch. Vielleicht gibt Ihnen die Liste etwas Realität darüber, was Sie von mir erwarten können und was nicht.

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Zarathustra (ca. 630-553 v. Chr.)

Siddhartha Gautama (563-483 v. Chr.)

Heraklit (520-460 v. Chr.)

Sokrates (469-399 v. Chr.)

Hippokrates (460-370 v. Chr.)

Platon (427-347 v. Chr.)

Aristoteles (384-322 v. Chr.),

Jesus von Nazaret (ca. 5 v. Chr.- ca. 30 n. Chr.)

Thomas von Aquin (1225-1274)

Wilhelm Bombast von Hohenstein („Paracelsus“) (1493-1534)

Andreas Vesalius (1514-1564)

Johann Weyer (1515-1588)

William Harvey (1578-1657)

René Descartes (1596-1650)

Thomas Sydenham (1624-1689

Isaac Newton (1643-1727)

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)

Ernst Stahl (1660-1734)

Hieronymus David Gaub (1704-1780)

Albrecht von Haller (1708-1777)

Theophile Bordeu (1722-1776)

Immanuel Kant (1724-1804)

Paul Joseph Bartez (1734-1806)

Jean Baptiste de Lamarck (1744-1829)

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Johann Gottlieb Fichte (1762-1814)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854)

Carl Friedrich Gauß (1777-1855)

Matthias Schleiden (1804-1881)

Charles Darwin (1808-1882)

Theodor Schwann (1810-1882)

Claude Bernard (1813-1878)

Ignaz Semmelweis (1818-1865)

Max von Pettenkofer (1818-1901)

Rudolf Virchow (1821-1902)

Louis Pasteur (1822-1895)

Lothar von Meyer (1830-1895)

Wilhelm Wundt (1832-1920)

Dmitri Mendelejew (1834-1907)

Ernst Haeckel (1834-1919)

Josef Breuer (1842-1925)

Sigmund Freud (1856-1939)

Eugen Bleuler (1857-1939)

Max Planck (1858-1947)

Mohandas Karamchand („Mahatma“) Gandhi (1869-1948)

Alfred Adler (1870-1937)

Otto Loewi (1873-1961)

Edward Lee Thorndike (1874-1949)

Carl Gustav Jung (1875-1961)

Albert Einstein (1879-1955)

Otto Warburg (1883-1970)

Viktor von Weizsäcker (1886-1957)

Jacob Moreno (1889-1974)

Werner Kollath (1892-1970)

Anna Freud (1895-1982)

Jean Piaget (1896-1980)

Volney Mathison (1897-1965)

Erich Fromm (1900-1980)

B. F. Skinner (1904-1990)

Willem-Karel Dicke (1905-1962)

Louis-Claude Vincent (1906-1988)

Abraham Maslow (1908-1970)

Johanna Budwig (1908-2003),

Eric Berne (1910-1970)

L. Ron Hubbard (1911-1986)

Francis Crick (1916-2004)

Maurice Wilkins (1916-2004)

Irving Janis (1918-1990)

Leon Festinger (1919-1989)

Nils Bohr (1922-2008)

Albert Bandura (*1925)

Irene Mumford (1926-1991),

James Watson (*1928)

Hans-Ulrich Hertel (*1928)

John Olney (*1931)

Lutz von Rosenstiel (1938-2013)

Claus Christian Schroeder (*1938)

Allen Chalmers (*1939)

Udo Erasmus (*1942)

Nils Birbaumer (*1945)

Gregory Unsworth-Mitchell (*1947)

Peter Shepherd (*1952)

Greta Thunberg (*2003)

 

„Der Weg ist nur einer, jener Weg ist die Ehrlichkeit;

alle anderen sind nur Seitenpfade“ (Zarathustra).

 

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